Wann ist endlich wieder Montag oder der Umgang mit der Einsamkeit

Nach einem Verlust, einer Trennung oder Scheidung, fangen wir noch einmal von vorne an. Oft in neuer, manchmal auch in bekannter Umgebung. Nach einiger Zeit haben wir alles im Griff, so scheint es. Die alltäglichen Abläufe funktionieren wieder, eine gewissen Routine kehrt ein. Die Dinge scheinen wieder im Lot.

Das Wochenende als Albtraum 

Und dann kommt das Wochenende. Endlich richtig viel Zeit für die Familie, auf die sich alle freuen. Normalerweise. Für all jene, die einen Verlust erlitten haben und / oder sich in neuen Lebensumständen zurecht finden müssen, kann ein Wochenende jedoch zum Albtraum werden. Dann funktioniert der normale Alltagstrott nicht mehr als Ablenkungsmanöver. Die Realität zeigt sich hart, offen, schonungslos.

Denn anders als bei Dir, der / die Du diesen Verlust erlitten hast und einen Neustart machen musstest, bleibt bei allen anderen zumindest gefühlt alles beim Alten. Das heißt: für das Wochenende stehen gemeinsame Aktionen an, mit der kompletten Familie: mit Vater, Mutter, Kind … so wie es in Deinem Leben eventuell auch einmal war oder wie Du es Dir zumindest auch gewünscht hattest.

Wie fülle ich 48 Stunden, die schier unendlich scheinen?

Die anderen leben Dir dann sozusagen Deine Träume vor, während Du alleine – oder wie ich beispielsweise – mit zwei kleinen Kindern alleine zu Hause sitzt, die Stunden scheinbar endlos wirken und kaum zu füllen scheinen. Lange habe ich versucht, diese schier unfassbar lange Zeit von 48 Stunden mit ganz vielen Unternehmungen zu füllen. Ablenkung auf die schöne Art. Habe Ausflüge unternommen, bin mit meinen Mädels radeln, schwimmen, wandern gewesen… aber letzten Endes immer ohne Partner, ohne anderen Erwachsenen, um mich austauschen zu können. Und natürlich lag alles bei mir: die Idee, die Planung, die Vorbereitung, und vor allem auch die Umsetzung. Was habe ich nicht manchmal für “großartige” Dinge geplant, nur damit wir nicht alleine zu Hause sitzen und ich mich meiner Einsamkeit nicht stellen muss. Ein echter Kraftakt.

Doch wie jedes Manöver ist auch dieses nur zeitlich begrenzt möglich. Irgendwann gehen die Ideen aus, und vor allem auch die Kräfte. Und wenn ich dann tatsächlich mal einen Babysitter für Freitag Abend gefunden hatte, was schon eine echte Herausforderung war, war da niemand, den ich hätte treffen können – schließlich waren alle bei ihren Familien.

Kapitulation für einen echten Neubeginn 

Erst als ich am Ende meiner Kräfte war, habe ich kapituliert. Habe aufgehört wegzulaufen und mich meiner Einsamkeit gestellt. Mich mit den Kindern eingemummelt in der Wohnung – was eigentlich schon lange hätte sein dürfen bei den ungemütlichen Witterungsverhältnissen draußen. Und dann, nach und nach, fühlte es sich gar nicht mehr so lebensbedrohlich an, allein zu sein. Wir haben es uns schön gemacht – Kuchen gebacken, Kerzen angezündet, Musik angemacht…. und nach und nach habe ich annehmen können, das unsere Familie nun eben anders ist als ursprünglich geträumt. Dass wir in dieser neuen Konstellation dennoch eine vollständige Familie sind. Weg von den alten Vorstellungen, hin zu einem neuen und noch fremdem Bild, das aber nach und nach immer mehr meines werden konnte – weil ich es zugelassen habe.

Ein Platz auf dem Sofa für Frau Einsamkeit

Inzwischen kann ich auch ganz alleine am Wochenende Zeit mit mir verbringen, wenn die Kinder unterwegs sind. Und ja, Frau Einsamkeit kommt immer mal wieder vorbei. Aber inzwischen weiß ich, dass auch sie zum Leben gehört. Dass ich sie nicht ignorieren muss, sondern vielmehr annehmen als einen Teil meiner aktuellen Situation. Und verstehen, dass sie nur dann immer mehr gehen kann, wenn ich mich ihr stelle und ihr direkt ins Gesicht blicke. Sie begrüße (ich gebe zu, manchmal nicht gerade überschwänglich) und ihr ein Plätzchen neben mir anbiete – das sie dann weniger und weniger annehmen muss.

Versteh mich nicht falsch – auch ich freue mich auf ein Leben, in dem es wieder mehr Miteinander gibt. Aber ich habe verstanden, dass ich für ein wahres und liebevolles Miteinander erst einmal mit mir selbst und meiner Situation im Reinen sein muss. Denn erst wenn wir annehmen, was ist, haben wir auch die Möglichkeit, Dinge im nächsten Schritt wirklich zu verändern.

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