Ich bin wie Du. Ich bin anders.

Ich war immer schon anders als alle andern um mich herum. Immer schon sehr aufgeweckt, strahlend, hell, dem Positiven im Leben zugetan. Ich fiel immer schon auf. In der Schule. In der Familie. Im Freundeskreis. Dadurch hatte ich das Gefühl, nie so richtig dazu zu gehören. Und das tat weh.

Irgendwann wollte ich nicht so anders sein. Ich habe mich nicht mehr wohlgefühlt damit, immer alle Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Vor allem, weil mir hier auch unschöne Dinge wie Neid und Missgunst begegnet sind. Und ich wollte endlich dazu gehören.

Darum hatte ich angefangen, mich zu verstecken. Mein Herz und mich immer mehr zu verschließen, mich zurückzuziehen und nicht mehr so aufzufallen.

Nach außen hin hat das prima funktioniert. Ich war plötzlich eine von vielen, gehörte dazu, fühlte mich als Teil der Gemeinschaft, in die ich vorher einfach nicht gepasst hatte.

Was ich damals noch nicht wusste: die Kosten des mich-versteckens, mich-zurückstellens, des endlich-dazugehörens waren immens hoch.

Denn im Inneren kann man sich nichts vormachen. Die Seele schmerzt und es ruft, manchmal leise und manchmal lauter, immer wieder danach, doch endlich wieder ich selbst zu sein. Endlich wieder mein Leben zu leben.

Ich habe diese Rufe lange Zeit ignoriert. Habe mich abgeschottet von mir selbst. Habe meinen Gefühlsregler auf „leise“ gestellt und so getan, als würde ich mein inneres Rufen nicht mehr hören. Bis dies so leise wurde, dass ich es nicht mehr hörte. Lediglich mein Körper zeigte noch den Schmerz, aber auch diesen hatte ich gelernt, durch Funktionieren zu übertönen.

Aber die eigene Seele, das wahre Ich kann man nicht dauerhaft ignorieren. Gerade, wenn ich schon ein Profi darin war, mich selbst zu überhören, hat meine Seele eben im Außen dafür gesorgt, dass ich endlich aufwache. Dass ich endlich hingucke.

Und da ich ein echter Sturkopf bin, hat sich meine Seele Lebensereignisse ausgedacht, die ich einfach nicht übersehen konnte. Denn im Zweifelsfall ist meine Seele genauso stur wie ich ;-).

Immer wieder habe ich schlimme Verluste erlebt und extreme körperliche und seelische Herausforderungen. Darüber werde ich irgendwann ein Buch schreiben ;-).

Und ich bin immer wieder aufgestanden. Habe gespürt, dass es einen Sinn macht, was mir da passiert. Dass das Leben, Gott, ich selbst mir da was zeigen will.

Es braucht Mut, immer wieder hinzugucken. Durch den Schmerz zu gehen, wenn wir unsere eigenen Fehler sehen und unseren Verrat an uns selber spüren.

Es braucht Hingabe, um die Dinge anzunehmen, die wir uns selbst angetan haben und die Wahrheit zu sehen.

Und es braucht Verantwortung für das eigene Leben, um aus den eigenen Fehlern zu lernen und alte Muster, die nicht mehr taugen, zu verändern.

So bin ich letztlich bei mir selbst angekommen. Bei der, die ich ja (eigentlich) immer schon war . Ich habe gelernt mich anzunehmen, gerade in meiner Andersartigkeit. Und diese ist plötzlich nicht mehr mein Feind, sondern der Motor, mit dem ich so unglaublich viel bewegen kann.

Ich glaube fest daran, dass die Dinge im Leben Sinn machen. Und dass es einen Sinn hat, dass wir anders sind als andere. Genau das macht uns ja aus. Unser Sein, unsere Geschichte, unsere Fähigkeiten und Talente. Denn nur, indem wir sind, wie wir eben sind, können wir unsere Lebensaufgabe erfüllen.

Diese wunderbare Vielfalt an verschiedenen Charakteren und Persönlichkeiten, die letztlich alle aus der gleichen Quelle der Liebe entstanden und in dieser verbunden sind, schafft doch erst den bunten Garten, den Gott sich gedacht hat. Erst so können wir uns eine Welt erschaffen, in der wir glücklich, in Liebe und Frieden miteinander leben. Über alle Grenzen hinweg.

Ich bin wie Du. Ich bin anders.