Begegnung

Mein Liebster. So gerne möchte Dich sehen. Fühlen. Spüren. Mit allem, was zu Dir gehört. Wovor hast Du noch Angst, Liebster?
Du hast gelernt, DIch zu verschließen. Die Tür ganz fest zuzumachen und den Schlüssel gleich mehrfach umzudrehen, damit Dich bloß niemand verletzen kann. Als kleiner Junge hast Du Dich damals eingeschlossen, weil Du es nicht anders ertragen konntest.
Aber sei gewiss:
Die Zeiten haben sich geändert, Liebster. Die Menschen sind aufgewacht und bewusst geworden. Sie haben verstanden, dass gerade Deine Wunden und Narben Dich zu dem machen, der Du bist. Dass gerade all die dunklen Seiten in Dir so viel Basis für Dein hell strahlendes Licht bieten, Du wundervolle Seele.
Es ist nur eine Entscheidung. Die Entscheidung, Dich verletztlich zu zeigen. Die Entscheidung, Dich mitzuteilen.
Die Zeit, in der Männer zum Schutz eine rauhe Schale tragen mussten, ist vorbei.
Als erwachte Frau wünsche ich mir nichts mehr, als dass Du all Deinen Mut zusammen nimmst und Deine Mauern einreißt. Sie zerbröckeln lässt zwischen Deinen bloßen Händen und aus den Steinen schöne neue Dinge baust.
Dass Du ein lebendiger Teil wirst von einem neuen, liebevollen Miteinander. In dem wir uns gerade darum lieben, weil wir verstanden haben, dass unsere Trennung nur eine Illusion ist und in der wir einander wahrhaftig begegnen. Mit allem, was wir sind.